| |
|
Hyperhidrosis,
Schwitzen
Behandlung
mit Botulinumtoxin (Botox, Dysport) bei übermäßigem Schwitzen
(Hyperhidrosis)
Der Mensch besitzt ca. 2 Millionen Schweißdrüsen, die überall
in der Haut vorkommen. Besonders viele finden sich an den Handflächen
und Fußsohlen, Achselhöhlen und Stirn. Schwitzen ist eine natürliche
Funktion des Körpers und dient der Steuerung des Wärmehaushaltes.
Eigentlich ist Schweiß geruchlos, aber durch bakterielle Besiedlung
und Zersetzung des Schweißes kann der bekannte unangenehme Körpergeruch
entstehen. Beim übermäßigen Schwitzen geht die produzierte
Schweißmenge über das für die Wärmesteuerung (Thermoregulation)
benötigte Maß hinaus. Häufig finden sich fließende
Übergänge zwischen normalem und krankhaftem Schwitzen.
Es gibt unterschiedliche Formen übermäßigen Schwitzens,
unter der etwa 0,6-1% der Erwachsenen leiden. Zumeist sind bestimmte Körperbereiche
wie Achselhöhlen, Stirn, Handinnenflächen oder Fußsohlen
ohne eine zugrunde liegende körperliche Erkrankung betroffen. Manchmal
besteht aber eine Erkrankung oder Störung als mögliche auslösende
Ursache, wobei dann zumeist am ganzen Körper eine erhöhte Schwitzneigung
besteht. Hier sollte immer die Abklärung einer eventuell auslösenden
Grunderkrankung (z.B. hormonelle Störungen, Schilddrüsenüberfunktion
u. a.) erfolgen.
Die
Schweißdrüsen in der Haut sind mit Nervenendigungen des autonomen
Nervensystem verbunden. Dieses steuert ohne bewussten Willen zahlreiche
Funktionen unseres Körpers, wie Blutdruck, Verdauung, Herzrhythmus
und auch den Wärmehaushalt. Ist der Körper überwärmt,
gehen von den unwillkürlichen Nerven vermehrt Impulse aus, die die
Schweißausscheidung anregen. Bei Stress werden von dem unwillkürlichen
Nervensystem vermehrt Impulse an die Schweißdrüsen gesendet.
Die Betroffenen fangen an zu schwitzen ohne es kontrollieren zu können.
Welche Möglichkeiten der Behandlung von verstärktem
Schwitzen gibt es?
Bei milden Formen des Schwitzens helfen oft lokale Mittel, wie z.B. Aluminiumhydrochloridlösungen
unterschiedlicher Konzentrationen, Puder und Gleichstrombehandlung (Iontophorese).
Darüber hinaus können auch nervenhemmende Tabletten verabreicht
werden, die aber häufig Müde machen, und eher bei einer generalisierten
Schwitzneigung indiziert sind.
Die Anpassung der Kleidung ist ebenso förderlich. Beim hartnäckigen
Schwitzen lassen sich operative und nicht operative Methoden unterscheiden.
Durch einen chirurgischen Eingriff in Narkose können die Schweißdrüsen
der Achselhöhle entfernt werden oder abgesaugt werden.
Wie
wirkt Botulinumtoxin bei übermäßigen Schwitzen?
Botulinumtoxin A ist ein natürlich vorkommendes Bakterieneiweiß.
Wird es in die Haut gespritzt, gelangt es zu den Schweißdrüsen
und blockiert dort gezielt die Nervenimpulse die zur Schweißausscheidung
notwendig sind. Andere Nervenfunktionen - wie das Fühlen oder Tasten
- werden nicht beeinflußt.
Botulinumtoxin
bewährt sich seit Anfang der 80er Jahre als zugelassenes Arzneimittel
in der Behandlung von Schielen oder Lidkrämpfen, zudem wird es bei
vielen muskulären Verspannungen, Krämpfen und spastischen Muskelerkrankungen
bei Erwachsenen und Kindern eingesetzt. Als Arzneimittel zur Behandlung
übermäßigen Schwitzens ist es in Deutschland zugelassen.
Die
volle Wirkung entfaltet sich drei bis fünf Tage nach der Behandlung
und hält in der Regel vier bis sechs Monate an, oft auch erheblich
länger. Selten kann eine Nachbehandlung nach 10 Tagen erforderlich
sein. Es können so eventuelle kleine Areale mit Restaktivität
ausgeschaltet werden. Ein nachhaltiger Effekt - bis zu einem Jahr - wird
durch Wiederholungsbehandlungen erzielt. Der
Erfolg ist für alle Patienten beim ersten Mal verblüffend, da
die Schweißbildung komplett ohne Nebenwirkungen gehemmt wird. Mit
dem Rückgang der Schweißbildung verschwindet natürlich
auch ein eventueller unangenehmer Körpergeruch.
Wie wird behandelt?
Vor der Behandlung wird ein Test zur Darstellung der übermäßigen
aktiven Schweißdrüsen (Minor'scher Schweißtest = Jod-Stärke-Test)
an Handinnenflächen, Achseln oder Fußsohlen und durchgeführt.
Dadurch kommt es zur Anfärbung der übermäßig aktiven
Schweißdrüsen, die sich deutlich blauschwarz hervorheben
.
 |
|
 |
Die
Haut wird mit Jodlösung eingerieben
|
|
und
anschließend mit Stärkepuder bestäubt. Der Bereich
verstärkter Schweißbildung färbt sich schwarz
.. |
 |
|
 |
| ...wird
abgegrenzt
|
|
...und mit Injektionsmarkierungen versehen.
|
 |
|
 |
| Im
Abstand von einem Zentimeter werden nun sehr geringe Mengen Botulinumtoxin
(Botox®, Dysport®) direkt in die Haut eingespritzt |
|
Zurück
bleiben für einige Minuten Quaddeln in der Haut. |
Diese
Injektionen bereiten in der Achsel keine Schmerzen; sondern brennen nur
ein wenig. Hier kann vorab mittels eisgekühlten Kompressen eine Linderung
erzielt werden. Da die Behandlung an Handflächen oder Fußsohlenhier
dagegen schmerzhaft ist, wird hier zuerst eine Betäubung mit einer
Creme unter einem Kunststoffhandschuh durchgeführt.
Welche Nebenwirkungen und Komplikationen können auftreten?
Nebenwirkungen und Komplikationen sind kaum zu erwarten. Wie bei jeder
anderen Injektion in die Haut kann es in seltenen Fällen zu einer
Hautreizung, Hautinfektion oder zu einer leichten Schwellung kommen. In
seltenen Fällen kann auch ein kleiner Bluterguss entstehen. Allergische
Reaktionen (Rötung, Juckreiz) an der Injektionsstelle, die auch nach
wiederholter Anwendung von Botulinumtoxin A auftreten können, sind
extrem selten. Alle diese unerwünschten Erscheinungen bilden sich
innerhalb weniger Tage zurück. An Händen und Füssen kann
es sehr selten durch Eindringen von Botulinumtoxin in die unter der Haut
liegenden Muskeln zu einer vorübergehenden, nicht länger als
2-3 Wochen anhaltenden, Schwäche kommen. Sämtliche Nebenwirkungen
sind aber nach dem heutigen Stand der Wissenschaft vorübergehend;
langfristige Nebenwirkungen sind bei der Behandlung der Hyperhidrosis
nicht bekannt. Bestimmte Medikamente können die Wirkung des Botulinumtoxins
beeinflussen, so daß der Arzt unbedingt über die Einnahme bestimmter
Arzneistoffe informiert werden muß. Dazu gehören: Aminoglykosid-Antibiotika
wie Streptomycin, Kanamycin oder Gentamycin (die aber heutzutage nur noch
sehr selten eingesetzt werden), Anästhetika u.ä., Muskelrelaxantien,
gerinnungshemmende Medikamente (ASS z.B.Aspirin, Marcumar). Gegenanzeigen
für die Behandlung mit Botulinumtoxin sind: Schwangerschaft, Stillzeit,
Myasthenia gravis oder Gerinnungsstörungen.
|
|
|
|
|